Eine Texas LLC kostet 2026 einmalig 300 $ staatliche Gründungsgebühr, der Bundesstaat erhebt keine State Income Tax, und die Franchise Tax trifft dich erst ab 2,65 Millionen $ Jahresumsatz. Klingt stark — aber für die meisten DACH-Gründer ohne physische Präsenz in den USA ist Wyoming trotzdem die bessere Wahl: ein Drittel der Gründungskosten, echte Anonymität und weniger Meldepflichten. In diesem Guide bekommst du die verifizierten Zahlen, die Franchise-Tax-Regeln seit 2024 und ein ehrliches Fazit, für wen sich der Lone Star State wirklich lohnt.
Texas LLC auf einen Blick (Stand Juli 2026)
| Merkmal | Texas LLC | |---|---| | Gründungsgebühr (Certificate of Formation, Form 205) | 300 $ einmalig | | State Income Tax | keine | | Franchise Tax | 0 $ unter 2,65 Mio. $ Jahresumsatz (Reportjahre 2026/2027) | | Jährliche Pflichtmeldung | Public Information Report (PIR), kostenlos, fällig 15. Mai | | Registered Agent | Pflicht, mit schriftlicher Zustimmung | | Anonymität | gering — Manager bzw. Member sind öffentlich einsehbar | | Geeignet für | Gründer mit physischer Präsenz oder Kunden in Texas |
Warum Texas überhaupt auf dem Radar ist
Texas ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der USA, Heimat von Austin, Dallas und Houston und zieht seit Jahren Unternehmen aus Kalifornien und New York an. Die Gründe: keine State Income Tax, eine unternehmensfreundliche Verwaltung und ein riesiger Binnenmarkt mit rund 31 Millionen Einwohnern. Tesla, Hewlett Packard Enterprise, Charles Schwab und viele andere haben ihren Hauptsitz unter anderem deshalb dorthin verlegt.
Für dich als DACH-Gründer ist aber entscheidend: Diese Vorteile wirken vor allem, wenn du tatsächlich in Texas lebst, arbeitest oder verkaufst. Wer aus Berlin, Wien oder Zürich ein reines Online-Business betreibt, profitiert von der texanischen Wirtschaftskraft erst einmal gar nicht — trägt aber die volle texanische Bürokratie mit. Genau deshalb lohnt sich der nüchterne Blick auf Zahlen und Pflichten, bevor du dich vom Cowboy-Image blenden lässt.
Was kostet eine Texas LLC?
Einmalige Gründungskosten
Die Gründung läuft über das Certificate of Formation (Form 205) beim Texas Secretary of State. Die staatliche Gebühr beträgt 300 $ — damit ist Texas dreimal so teuer wie Wyoming (100 $) und einer der teureren Gründungsstaaten überhaupt. Bei Online-Einreichung über das SOSDirect-System kommt eine Kartengebühr von 2,7 Prozent dazu, insgesamt also rund 308 $. Die Bearbeitung dauert online in der Regel wenige Werktage. Das offizielle Formular findest du direkt beim Texas Secretary of State.
Übrigens: Eine Gebührenbefreiung gibt es nur für qualifizierte veteranengeführte Unternehmen — als DACH-Gründer zahlst du immer den vollen Betrag.
Laufende Kosten
| Posten | Kosten (Stand Juli 2026) | |---|---| | Franchise Tax | 0 $ unter 2,65 Mio. $ Umsatz | | Public Information Report | 0 $ Gebühr, aber jährliche Pflicht | | Registered Agent (Dienstleister) | marktüblich ca. 50 bis 150 $ pro Jahr | | Annual-Report-Gebühr an den Secretary of State | keine separate Gebühr |
Auf dem Papier ist Texas im laufenden Betrieb also günstig: Es gibt keine jährliche Staatsgebühr wie in Wyoming oder Delaware. Der Haken liegt woanders — bei den Meldepflichten und der Öffentlichkeit deiner Daten. Dazu gleich mehr.
Die Texas Franchise Tax verstehen
Rund um die Franchise Tax kursieren die meisten Halbwahrheiten. Also sauber sortiert:
Texas erhebt keine klassische Steuer auf Unternehmensgewinne, sondern eine Franchise Tax auf die sogenannte Margin — vereinfacht gesagt eine Abgabe auf den Umsatz nach bestimmten Abzügen (etwa Wareneinsatz oder Personalkosten). Zuständig ist der Texas Comptroller, nicht der Secretary of State.
Der No-Tax-Due-Threshold: 2,65 Millionen $
Die gute Nachricht: Unterhalb eines Jahresumsatzes von 2,65 Millionen $ fällt keine Franchise Tax an. Dieser No-Tax-Due-Threshold gilt für die Reportjahre 2026 und 2027; in den Reportjahren 2024 und 2025 lag er bei 2,47 Millionen $. Für praktisch jeden DACH-Gründer in der Startphase heißt das: 0 $ Franchise Tax.
Die Regeländerung seit 2024: No-Tax-Due-Report abgeschafft
Bis 2023 musste jede texanische LLC jährlich einen No Tax Due Report einreichen — auch wenn gar keine Steuer fällig war. Für Reports, die ab dem 1. Januar 2024 fällig sind, ist dieser Report abgeschafft. Wer unter dem Threshold liegt, muss keinen Franchise-Tax-Report mehr abgeben.
Viele lesen daraus: super, gar keine jährliche Meldung mehr. Das ist falsch — und genau hier passieren die teuersten Fehler.
Der Public Information Report bleibt Pflicht
Auch unter dem Threshold musst du jedes Jahr bis zum 15. Mai den Public Information Report (PIR, Form 05-102) beim Comptroller einreichen — kostenlos, aber verpflichtend. Die Details stehen auf der offiziellen Seite des Texas Comptroller zur PIR-Pflicht.
Versäumst du den PIR, drohen harte Konsequenzen:
- Deine LLC verliert das Recht, in Texas Geschäfte zu machen (Forfeiture).
- Sie kann vor texanischen Gerichten weder klagen noch sich verteidigen.
- Officer, Direktoren, Manager oder Member können für bestimmte Schulden der LLC persönlich haftbar werden — der Haftungsschutz, für den du die LLC überhaupt gegründet hast, ist dann durchlöchert.
Ein kostenloser Report mit potenziell existenziellen Folgen bei Versäumnis: Das ist die texanische Eigenheit, die du in deinen Compliance-Kalender eintragen musst.
Wenn du über dem Threshold liegst
Ab 2,65 Millionen $ Umsatz wird die Franchise Tax tatsächlich fällig:
| Geschäftsart | Steuersatz auf die Margin | |---|---| | Einzel- und Großhandel | 0,375 % | | Alle anderen Tätigkeiten | 0,75 % |
Der jährliche Franchise-Tax-Report ist ebenfalls zum 15. Mai fällig. Fällt der Termin auf ein Wochenende oder einen Feiertag, gilt der nächste Werktag. Selbst über dem Threshold bleibt die Belastung mit maximal 0,75 Prozent auf die Margin überschaubar — aber sie bedeutet zusätzliche Buchhaltung und Berechnungsaufwand, den es in Wyoming schlicht nicht gibt.
Registered Agent: Ohne geht in Texas nichts
Wie jeder US-Bundesstaat verlangt Texas einen Registered Agent mit physischer Adresse in Texas, der während der Geschäftszeiten erreichbar ist und behördliche Post sowie Zustellungen (etwa Klagen) entgegennimmt. Grundlage ist der Texas Business Organizations Code.
Eine texanische Besonderheit: Seit dem 1. Januar 2010 muss der Registered Agent seiner Benennung schriftlich oder elektronisch zustimmen (Formular 401-A). Die Zustimmung muss nicht mit eingereicht werden, aber sie muss vorliegen — wer jemanden ohne dessen Zustimmung einträgt, riskiert Strafen wegen falscher Angaben. Details findest du in den Registered-Agent-FAQs des Texas Secretary of State.
Als DACH-Gründer ohne eigene Adresse in Texas brauchst du zwingend einen Dienstleister. Rechne mit etwa 50 bis 150 $ pro Jahr (marktübliche Spanne, Stand Juli 2026).
Datenschutz: Texas ist kein Anonymitäts-Staat
Hier liegt der für viele DACH-Gründer entscheidende Unterschied zu Wyoming oder New Mexico — und er wird in Werbetexten gern verschwiegen:
1. Das Certificate of Formation ist öffentlich. Form 205 verlangt Name und Adresse jeder Person der Geschäftsführung — bei einer member-managed LLC also deine Member, bei einer manager-managed LLC die Manager. Der Secretary of State weist in den offiziellen Hinweisen zu Form 205 selbst darauf hin, dass eingereichte Dokumente öffentliche Urkunden sind, und empfiehlt, aus Datenschutzgründen eine Geschäfts- statt Privatadresse anzugeben.
2. Der Public Information Report ist — der Name sagt es — öffentlich. Die dort gemeldeten Daten zu Officern, Direktoren und Managern erscheinen nach der Verarbeitung in der öffentlichen Taxable Entity Search des Comptroller. Deine Rolle in der LLC ist also jedes Jahr aufs Neue für jedermann recherchierbar — Name inklusive.
Zum Vergleich: In Wyoming tauchen Member und Manager in den öffentlichen Gründungsdokumenten schlicht nicht auf. Wenn dir Privatsphäre wichtig ist, verliert Texas diesen Punkt deutlich.
Randnotiz BOI-Reporting: Seit der FinCEN-Regelung vom 26. März 2025 müssen in den USA gegründete LLCs kein Beneficial-Ownership-Reporting mehr an FinCEN abgeben. Das gilt für Texas genauso wie für Wyoming — auf Bundesebene gibt es hier also keinen Unterschied mehr zwischen den Staaten.
Texas vs. Wyoming: Der direkte Vergleich
| Kriterium | Texas | Wyoming | |---|---|---| | Gründungsgebühr | 300 $ | 100 $ | | Jährliche Staatsgebühr | 0 $ (aber PIR-Pflicht) | Annual Report License Tax, mind. 60 $ | | State Income Tax | keine | keine | | Franchise Tax | ja, ab 2,65 Mio. $ Umsatz | keine | | Jährliche Meldung | PIR bis 15. Mai, Inhalte öffentlich | Annual Report, fällig am 1. Tag des Gründungsmonats (Jahrestags-Monat) | | Member/Manager öffentlich? | ja (Gründungsurkunde + PIR) | nein | | Stärken | Wirtschaftskraft, lokaler Markt, Image | Kosten, Privatsphäre, Einfachheit |
Interessant wird es bei den reinen Staatskosten über fünf Jahre (Registered Agent fällt in beiden Staaten ähnlich an): Texas kostet 300 $ Gründung plus 0 $ laufende Gebühren, Wyoming 100 $ Gründung plus fünfmal 60 $ Annual Report — also rund 400 $. Texas ist auf lange Sicht sogar minimal günstiger. Die Entscheidung fällt deshalb nicht beim Preis, sondern bei Privatsphäre, Meldeaufwand und deinem tatsächlichen Geschäftsmodell.
Schritt für Schritt: So gründest du eine Texas LLC
- Namen prüfen: Der Name muss einen Zusatz wie LLC, L.L.C. oder Limited Liability Company enthalten und darf nicht mit bestehenden texanischen Firmen kollidieren. Die Prüfung läuft über die Datenbank des Secretary of State (SOSDirect).
- Registered Agent festlegen: Einen Dienstleister mit Texas-Adresse beauftragen und die schriftliche Zustimmung (Form 401-A) einholen und aufbewahren.
- Certificate of Formation (Form 205) einreichen: Online via SOSDirect oder per Post, 300 $ Gebühr. Hier legst du fest, ob die LLC member-managed oder manager-managed ist — inklusive der Namen und Adressen, die damit öffentlich werden.
- Operating Agreement erstellen: Wird nicht beim Staat eingereicht, ist aber essenziell — für Banken, für klare Regeln zwischen Gesellschaftern und als Nachweis der Trennung von Privat- und Firmenvermögen.
- EIN beantragen: Die Employer Identification Number bekommst du kostenlos direkt beim IRS — als Gründer ohne SSN über das Formular SS-4 per Fax oder Post.
- US-Geschäftskonto eröffnen: Mit EIN, Certificate of Formation und Operating Agreement bei einer US-Bank oder einem Fintech-Anbieter mit LLC-Support.
- Compliance-Kalender anlegen: PIR jedes Jahr bis zum 15. Mai an den Comptroller. Dazu kommt für ausländisch gehaltene Single-Member-LLCs die jährliche Form 5472 mit Pro-forma-1120 an den IRS — die gilt bundesweit, unabhängig vom Gründungsstaat.
Steuern: Was gilt für dich als DACH-Gründer?
Die wichtigste Wahrheit zuerst: Keine State Income Tax in Texas senkt deine Steuerlast in Deutschland, Österreich oder der Schweiz um exakt null Euro. Du musst drei Ebenen auseinanderhalten:
US-Bundesebene: Eine Single-Member-LLC ist steuerlich eine Disregarded Entity. Ob in den USA Bundessteuer anfällt, hängt nicht vom Bundesstaat ab, sondern davon, ob du Einkünfte erzielst, die effektiv mit einem US-Geschäftsbetrieb verbunden sind — etwa durch Mitarbeiter, Lager oder feste Einrichtungen in den USA.
Texas-Ebene: Keine State Income Tax, Franchise Tax erst ab 2,65 Millionen $ Umsatz. Aber: Wenn du physisch oder wirtschaftlich in Texas verankert bist (Lager, Mitarbeiter, viele texanische Kunden), kommt die Sales Tax ins Spiel — 6,25 Prozent auf Staatsebene plus bis zu 2 Prozent lokale Aufschläge, zusammen maximal 8,25 Prozent.
DACH-Ebene: Wohnst du in Deutschland, gilt das Welteinkommensprinzip — die Gewinne deiner LLC gehören in deine Steuererklärung. Dazu kommen der sogenannte Typenvergleich (wird die LLC transparent wie ein Einzelunternehmen oder wie eine Kapitalgesellschaft behandelt?) und die Betriebsstättenfrage. Ähnliche Prinzipien gelten für Österreich und die Schweiz. Eine US-LLC ist kein Steuersparmodell, solange du in der DACH-Region wohnst und von dort arbeitest.
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Hol dir vor der Gründung eine Einschätzung von einer Steuerberatung, die US-Strukturen kennt — vor allem zur Frage, wie deine LLC in deinem Wohnsitzland eingeordnet wird.
Ehrliches Fazit: Für wen lohnt sich Texas wirklich?
Texas lohnt sich, wenn du echten Bezug zum Staat hast:
- Du lebst in Texas oder planst konkret den Umzug dorthin, etwa mit Visum und Standortaufbau.
- Du hast Kunden, Mitarbeiter, ein Lager oder Büroflächen in Texas.
- Dein Geschäft lebt von lokaler Glaubwürdigkeit — etwa B2B-Dienstleistungen für texanische Firmen oder Services vor Ort.
- Du erwartest substanzielle US-Umsätze und willst in einem wirtschaftsstarken Staat ohne State Income Tax operieren, in dem du tatsächlich tätig bist.
Wyoming bleibt die bessere Wahl, wenn:
- du ein Online-Business (Freelancing, SaaS, E-Commerce, Beratung) aus der DACH-Region heraus führst, ohne physische US-Präsenz;
- dir Privatsphäre wichtig ist — in Texas stehen deine Daten doppelt öffentlich, in der Gründungsurkunde und im jährlichen PIR;
- du die Struktur so schlank wie möglich halten willst: In Wyoming gibt es weder Franchise Tax noch PIR, nur einen simplen Annual Report.
Unterm Strich: Texas ist ein starker Wirtschaftsstandort, aber kein Gründungs-Hack. Die Vorteile des Lone Star State — Marktgröße, keine State Income Tax, Business-Kultur — entfalten sich erst mit echter Präsenz vor Ort. Für den typischen DACH-Online-Gründer bietet Texas keinen relevanten Vorteil gegenüber Wyoming, dafür aber öffentlich einsehbare Daten und eine zusätzliche jährliche Meldepflicht mit ernsten Konsequenzen bei Versäumnis. Wenn du nicht genau weißt, warum es unbedingt Texas sein muss, lautet die Antwort fast immer: Wyoming.