Florida als LLC-Standort: Fakten statt Marketing
Florida ist bekannt für Miami, Steuern (keine), und warmes Klima. Als LLC-Standort für DACH-Gründer ist Florida solide — aber selten die erste Wahl wenn man nicht tatsächlich dort wohnt.
Kosten im Vergleich
| | Florida | Wyoming | New Mexico | |---|---|---|---| | Gründungsgebühr | 125 USD | 100 USD | 50 USD | | Annual Report | 138,75 USD | 60 USD | Keiner | | Registered Agent | 100–150 USD | 100–150 USD | 100–150 USD | | Kosten Jahr 2+ | 240–290 USD | 160 USD | 100–150 USD |
Schritt für Schritt: Florida LLC über sunbiz.org gründen
Anders als in Wyoming oder Delaware läuft die Gründung in Florida komplett über ein einziges staatliches Portal: sunbiz.org, betrieben von der Florida Division of Corporations. Einen Anwalt oder eine Gründungsagentur brauchst du dafür nicht zwingend — die meisten DACH-Gründer nutzen trotzdem einen Registered-Agent-Service, weil der ohnehin Pflicht ist (dazu gleich mehr).
1. Namensprüfung. Über die "Search Records"-Funktion auf sunbiz.org prüfst du, ob dein Wunschname noch frei ist. Er muss sich von bereits eingetragenen Unternehmen unterscheiden ("distinguishable") und den Zusatz "LLC" oder "L.L.C." tragen. Eine offizielle Namensreservierung ist theoretisch für 25 USD und 120 Tage möglich, macht in der Praxis aber kaum jemand — die Bearbeitung der eigentlichen Gründung ist meist schnell genug, dass sich der Umweg nicht lohnt.
2. Articles of Organization ausfüllen. Das ist das eigentliche Gründungsdokument. Pflichtangaben: Name der LLC, Geschäftsadresse (principal office, kann auch außerhalb Floridas liegen, muss aber eine echte Straßenadresse sein — keine Postfachadresse), Postanschrift, sowie Name und Florida-Adresse deines Registered Agent samt dessen Unterschrift als Zustimmungserklärung. Name und Adresse mindestens einer "Authorized Person" (Manager oder Mitglied) sind laut Gesetz optional, werden aber von so gut wie jeder Bank verlangt, die später ein Geschäftskonto eröffnen soll — also gleich mit angeben.
3. Registered Agent bestellen. Pflicht für jede Florida LLC: eine Person oder ein Dienstleister mit physischer Straßenadresse in Florida (kein PO Box, keine virtuelle Adresse), erreichbar während der üblichen Geschäftszeiten. Für DACH-Gründer ohne Wohnsitz in den USA läuft das praktisch immer über einen kommerziellen Registered-Agent-Service (100–150 USD/Jahr, siehe Tabelle oben).
4. Einreichen und zahlen. Filing-Gebühr: 125 USD (100 USD Articles of Organization + 25 USD Registered-Agent-Designation), Zahlung online per Kreditkarte.
5. Warten. Florida bietet — anders als manche andere Bundesstaaten — keine Express-Bearbeitung an. Anträge werden strikt in Eingangsreihenfolge abgearbeitet. Online-Filings dauern meist 1 bis 5 Werktage, können sich bei Rückstau aber auf bis zu 10 Werktage strecken. Papier-Einreichungen brauchen 3 bis 4 Wochen — online ist also in jedem Fall die bessere Wahl.
Nach der Genehmigung bekommst du eine Bestätigung über dein Sunbiz-Konto bzw. per E-Mail. Für Bankkonten oder Verträge mit US-Partnern lohnt sich oft zusätzlich ein "Certificate of Status" (gegen separate Gebühr) — der offizielle Nachweis, dass deine LLC aktiv und in gutem Rechtsstatus ("good standing") ist.
Was die Articles of Organization nicht enthalten müssen: eine FEIN (Federal Employer Identification Number, das US-Pendant zur Steuernummer) oder ein Operating Agreement. Beides brauchst du für Banking und interne Struktur trotzdem — die FEIN beantragst du separat beim IRS, das Operating Agreement setzt du selbst auf oder lässt es aufsetzen. Beides läuft komplett losgelöst vom Sunbiz-Filing und ist kein Bestandteil der eigentlichen Gründung.
Wann Florida sinnvoll ist
Du wohnst in Florida: Dann solltest du natürlich dort gründen — der Bundesstaat deines Wohnsitzes ist oft praktisch.
Miami-Adresse für Brand: Für bestimmte Branchen (Lat-Am-Business, Luxury, Fashion) hat eine Miami-Adresse echten Marketingwert.
Kunden in Florida: Wenn deine Hauptkundschaft aus Florida kommt, vereinfacht eine Florida LLC lokale Geschäfte.
Florida als Standort für bestimmte Branchen
Für die meisten DACH-Gründer ist Florida generisch — aber es gibt drei Branchen, in denen der Bundesstaat einen echten, nicht nur kosmetischen Unterschied macht.
E-Commerce mit US-Lager (Amazon FBA, Dropshipping mit US-Fulfillment): Wenn dein Fulfillment-Center oder Warenlager physisch in Florida steht, entsteht dort automatisch eine steuerliche Präsenz (dazu mehr im nächsten Abschnitt) — unabhängig davon, wo deine LLC eigentlich gegründet ist. Liegt dein einziges oder hauptsächliches Lager in Florida, kann eine direkte Gründung dort die doppelte Verwaltung vermeiden, die entsteht, wenn du zusätzlich zur Wyoming-LLC noch eine "Foreign LLC"-Registrierung in Florida brauchst (mehr dazu im letzten Abschnitt).
Immobilien-Investment: Wer tatsächlich US-Immobilien in Florida kauft — Miami, Orlando und Tampa sind bei europäischen Investoren beliebt — profitiert von einer lokal gegründeten LLC: einfachere Abwicklung beim Notar/Title-Closing, lokale Ansprechpartner bei der Titelversicherung, keine zusätzliche Foreign-LLC-Registrierung nötig. Steuerlich bringt das gegenüber einer Wyoming-Holding, die die Immobilien-LLC hält, aber keinen Vorteil — nur weniger administrativen Reibungsverlust.
Import/Export über die Miami-Häfen: PortMiami ist der größte Containerhafen Floridas und einer der zehn größten der USA, bekannt als "Cargo Gateway of the Americas" mit besonders starkem Handelsvolumen Richtung Lateinamerika und Karibik. Wer tatsächlich Waren über diesen Hafen verschifft, profitiert von der Nähe zu Zollagenten, Spediteuren und Handelspartnern vor Ort. Eine reine Miami-Adresse ohne physische Aktivität am Hafen bringt diesen Vorteil dagegen nicht — nur echte operative Präsenz zahlt sich hier aus.
Für DACH-Gründer ohne Florida-Verbindung
Wenn du weder in Florida wohnst noch dort Kunden hast, ist Wyoming oder New Mexico günstiger und einfacher. Die 78 USD Mehrkosten pro Jahr (138,75 vs. 60) für Florida vs. Wyoming summieren sich auf 390 USD in 5 Jahren — ohne erkennbaren Mehrwert.
Steuer-Besonderheiten in Florida: Sales Tax Nexus und Reemployment Tax
Keine Körperschaftsteuer heißt nicht "keine Steuern". Zwei Florida-spezifische Steuern werden von DACH-Gründern regelmäßig übersehen — meist erst dann bemerkt, wenn ein Mahnbescheid vom Florida Department of Revenue kommt.
Sales Tax Nexus (Umsatzsteuer-Anknüpfungspunkt). Floridas landesweiter Sales-Tax-Satz liegt bei 6 %, dazu kommt ein County-Zuschlag ("discretionary sales surtax") von 0,5 bis 2 % — kombiniert also 6 bis 8 %, je nachdem in welchem County dein Kunde sitzt. Relevant wird das über zwei Wege:
- Physische Präsenz ("physical nexus"): Sobald du Ware physisch in Florida lagerst — klassisch: ein Amazon-FBA-Lager oder ein eigenes Fulfillment-Center — entsteht sofort eine steuerliche Präsenz, unabhängig vom Umsatz. Das gilt auch, wenn deine LLC formal in Wyoming oder New Mexico gegründet ist: Der Gründungsstaat schützt dich nicht vor der Registrierungspflicht in Florida, sobald dort Ware liegt.
- Wirtschaftliche Präsenz ("economic nexus") für Remote Seller: Ohne physische Präsenz greift die Registrierungspflicht ab 100.000 USD steuerpflichtigem Fernabsatz nach Florida im Vorjahr — eine reine Umsatzschwelle, keine zusätzliche Transaktionsanzahl-Grenze. Ab Überschreiten musst du ab dem 1. Januar des Folgejahres Sales Tax registrieren und abführen.
Beides ist unabhängig von den IRS-Bundessteuerpflichten (Form 5472, Form 1120), die für jede US-LLC mit ausländischem Eigentümer ohnehin bestehen — Sales Tax kommt on top, sobald einer der beiden Nexus-Fälle zutrifft.
Eine wichtige Einschränkung für FBA-Verkäufer: Verkäufe, bei denen Amazon als "Marketplace Facilitator" die Sales Tax bereits selbst einzieht und abführt, zählen in Florida nicht in die 100.000-USD-Schwelle für Remote Seller hinein und müssen nicht zusätzlich von dir gemeldet werden. Relevant wird die eigene Registrierungspflicht vor allem dann, wenn du zusätzlich über einen eigenen Shop (Shopify, eigene Website) direkt an Endkunden in Florida verkaufst — dann zählt dieser Umsatz separat, und die physische Lagerpräsenz durch FBA bleibt ohnehin ein eigenständiger Auslöser.
Reemployment Tax. So nennt Florida seine Version der Arbeitslosenversicherung — relevant nur, wenn deine LLC tatsächlich Mitarbeiter mit US-Lohnabrechnung (W-2) beschäftigt, nicht für Solo-Gründer ohne Personal. Neue Arbeitgeber zahlen 2,7 % auf die ersten 7.000 USD Lohn pro Mitarbeiter und Jahr — maximal 189 USD pro Mitarbeiter. Nach zehn Quartalen wechselst du in die "experienced employer"-Staffel (0,1 % bis 5,4 %); rund 65 % der Florida-Arbeitgeber zahlen dort inzwischen den niedrigsten Satz von 0,1 %.
Annual Report in Florida
Frist: 1. Mai jährlich. Einreichung über sunbiz.org. Dokument: 138,75 USD Filing-Fee.
Strafe bei Verspätung: 400 USD ab 1. Mai plus normale Filing-Fee. Danach droht administrative Auflösung nach dem 4. Quartal.
Für Auto-Erinnerungen: Florida schickt E-Mails an die eingetragene Adresse — sicherstellen dass diese aktuell ist.
Banking in Florida: Filiale vor Ort oder doch Mercury?
Mercury, Wise und Payoneer haben keine einzige physische Filiale — Kontoeröffnung läuft komplett remote, was für DACH-Gründer ohne US-Wohnsitz genau der Grund ist, warum sie zum Standard geworden sind.
Florida bietet dagegen etwas, das Wyoming oder New Mexico nicht haben: eine dichte Filiallandschaft, inklusive einiger auf internationale und lateinamerikanische Kundschaft spezialisierter Banken in Miami. Der Vorteil einer physischen Filiale zeigt sich aber nur, wenn du auch tatsächlich vor Ort bist: persönliche Beratung, Bargeld-Handling für stationären Handel, Kreditlinien und Treasury-Services laufen bei Filialbanken oft unkomplizierter als bei reinen Fintechs. Der Preis dafür ist meist eine Kontoeröffnung mit persönlichem Erscheinen ("in-person KYC"), häufig zusätzlich eine US-Sozialversicherungsnummer oder ITIN und eine US-Adresse als Nachweis.
Für den typischen DACH-Gründer, der Florida nur auf dem Papier als Gründungsstaat nutzt, aber nie tatsächlich dort ist, lohnt sich dieser Umweg in aller Regel nicht: Der Aufwand für Anreise, Termin und Dokumente vor Ort steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Mercury bleibt auch für eine Florida-LLC die pragmatischere Wahl — der Bundesstaat der Gründung hat auf die Kontoeröffnung bei einer Online-Bank ohnehin keinen Einfluss.
Wer dennoch eine klassische Filiale will — etwa weil das Geschäftsmodell auf Bargeld oder lokale Kreditlinien angewiesen ist — sollte vorher telefonisch klären, ob die Filiale überhaupt Neukunden ohne US-Sozialversicherungsnummer aufnimmt. Nicht jede Filiale vor Ort ist auf internationale Gründer ohne SSN eingestellt, auch wenn die Bank insgesamt eine entsprechende Abteilung hat.
Lohnt sich der Aufpreis zu Wyoming? Eine ehrliche Abwägung
Rechnen wir es nüchtern durch: Florida kostet 80 bis 130 USD pro Jahr mehr als Wyoming (240–290 USD vs. 160 USD, siehe Kostentabelle oben) — macht 400 bis 650 USD über fünf Jahre. Das ist kein Beinbruch, aber auch kein Betrag, den man ohne Grund zahlen sollte.
Der Aufpreis rechnet sich aus meiner Sicht nur in drei Fällen:
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Du hast bereits eine physische Präsenz in Florida — Lager, Wohnsitz, Mitarbeiter, Immobilie. Dann zahlst du ohnehin für eine Florida-Registrierung: entweder direkt als Florida-LLC (125 USD Gründung + 138,75 USD Annual Report), oder als "Foreign LLC" zusätzlich zu deiner Wyoming-LLC. Der zweite Weg ist in der Praxis fast immer teurer, nicht billiger:
- Wyoming-LLC + Foreign-Qualification in Florida: Wyoming-Registered-Agent (100–150 USD/Jahr) + Wyoming Annual Report (60 USD/Jahr) + Florida-Registered-Agent für die Foreign-LLC (100–150 USD/Jahr) + Florida Annual Report (138,75 USD/Jahr) = ca. 400–500 USD laufende Jahreskosten, weil du zwei Registered Agents und zwei Annual Reports parallel bezahlst.
- Direkte Florida-LLC: Florida-Registered-Agent (100–150 USD/Jahr) + Florida Annual Report (138,75 USD/Jahr) = 240–290 USD laufende Jahreskosten.
Wer weiß, dass Florida dauerhaft der einzige oder hauptsächliche Nexus-Staat bleibt, spart mit der direkten Florida-Gründung real 100 bis 260 USD pro Jahr gegenüber dem Umweg über Wyoming plus Foreign-Qualification.
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Die Miami-Adresse hat einen nachweisbaren Marketingwert für deine Zielgruppe — etwa im Lateinamerika-Geschäft, wo eine Miami-Adresse Vertrauen schafft, das eine Wyoming-Adresse nicht bietet.
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Du profitierst konkret von Bankfilialen oder Kundennähe vor Ort — siehe oben, aber nur wenn du tatsächlich regelmäßig physisch in Florida bist.
Trifft keiner dieser drei Punkte zu, bleibt Wyoming die rationalere Wahl. Florida ist deshalb keine schlechte Entscheidung — aber der Sunshine-State-Bonus ist in den allermeisten Fällen ein Marketing-Vorteil, kein steuerlicher oder rechtlicher.