Relay: Banking für traditionellere Businesses
Relay ist weniger bekannt als Mercury – zumindest in der deutschsprachigen Gründerszene, wo Mercury durch sein cleanes Design und seine Prominenz im Startup-Ökosystem fast schon zum Standardnamen geworden ist. Dabei ist Relay in den USA selbst längst kein Geheimtipp mehr: Über 2.250 Bewertungen auf Trustpilot, ein Rating von 4,3 von 5 ("Excellent"), und eine klare Positionierung als Banking-Tool für Businesses, die mehr wollen als ein cleveres Interface – nämlich saubere Buchhaltung, echte Sub-Konten und einen Support, der ans Telefon geht.
Was Relay ist: ein Business-Banking-Fintech, kein eigenständiges Kreditinstitut. Die eigentliche Bankdienstleistung – Einlagensicherung, Kontoführung, ACH-Clearing – läuft über die Partnerbank Thread Bank, ein FDIC-versichertes Institut mit Sitz in Tennessee. Über Thread Banks "Insured Cash Sweep"-Programm werden Einlagen automatisch auf mehrere Partnerbanken verteilt, sodass du als Relay-Kunde nicht nur bis 250.000 USD, sondern bis zu 3.000.000 USD FDIC-versichert bist. Für die meisten LLC-Gründer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist das ohnehin akademisch – aber es zeigt, dass Relay die Compliance-Seite ernst nimmt, selbst wenn (dazu später mehr) nicht alles glattläuft.
Was Relay besser macht als Mercury
Vier Dinge, bei denen Relay im direkten Vergleich die Nase vorn hat:
Menschlicherer Support. Relay hat ein Support-Team, das auf Trustpilot immer wieder explizit für Freundlichkeit und Erreichbarkeit gelobt wird – Chat und Telefon-Support, keine reine Ticket-Wüste. Das ersetzt keine Rechtsberatung, aber wenn ein Zahlungseingang nicht ankommt, ist ein Mensch am anderen Ende Gold wert.
Tiefere Buchhaltungs-Integration. Relay synct nativ und in Echtzeit (bzw. mit 24-Stunden-Takt, je nach Plan) mit QuickBooks Online und Xero – inklusive automatischer Kategorisierung und, auf den bezahlten Plänen, sogar Split-Line-Item-Zuordnung für einzelne Rechnungspositionen. Wer mit einem deutschen oder US-Steuerberater arbeitet, der QuickBooks nutzt, spart sich hier händische Nacharbeit.
Echte Sub-Konten fürs Profit-First-Modell. Bis zu 20 Checking-Konten plus 2 Sparkonten, alle innerhalb einer Organisation, ohne dass du für jedes einzelne einen neuen Antrag stellen musst. Für Gründer, die nach dem Profit-First-Prinzip arbeiten (Umsatz automatisch auf Steuer-, Gewinn-, Gehalts- und Betriebskosten-Konten aufteilen), ist das eine der saubersten Umsetzungen am Markt.
Automatisiertes Bill Pay mit Freigabe-Workflows. Rechnungen hochladen, Genehmigungsketten definieren, automatisch bezahlen lassen – auf den höheren Plänen inklusive Same-Day-ACH. Für Agenturen oder Dienstleister mit mehreren Unterauftragnehmern spart das echte Stunden im Monat.
Was Mercury besser macht
Umgekehrt hat Mercury nach wie vor drei klare Vorteile: eine deutlich ausgereiftere API für Entwickler und SaaS-Gründer, die Banking-Workflows automatisieren wollen; ein poliertes, schnelleres Interface, das sich eher wie ein modernes SaaS-Produkt als wie eine Bank anfühlt; und "Mercury Vault", eine Treasury-Funktion, mit der größere Cash-Reserven in Geldmarktfonds oder Staatsanleihen investiert werden können – etwas, das Relay in dieser Form nicht anbietet. Dazu kommt schlicht Markenbekanntheit: Mercury ist in VC-finanzierten US-Kreisen so verbreitet, dass ein Mercury-Konto bei Investoren-Pitches kaum auffällt, während Relay dort seltener gesehen wird.
Kosten im Überblick
Relay hat seine Preisstruktur 2026 überarbeitet und in drei Pläne aufgeteilt: Starter, Grow (früher unter dem Namen "Relay Pro" bekannt) und Scale.
| Plan | Preis/Monat | Ausgehende Inlands-Wires | Same-Day ACH | Sparzins (APY, variabel) | Cashback Kreditkarte | |---|---|---|---|---|---| | Starter | 0 USD | 5 USD/Wire | Nein (Standard-ACH, 1–2 Werktage) | ca. 1,1 % | 1,00 % | | Grow | 30 USD | kostenlos | Ja | ca. 1,7–1,8 % | 1,25 % | | Scale | 90 USD (regulär 120 USD) | kostenlos | Ja (10 kostenlose/Monat) | bis zu 3,0 % | 1,50 % |
Wichtig für die Bewertung: Es gibt keine versteckten Gebühren, keine Kontoführungsgebühr im Starter-Plan, keine Überziehungsgebühren und keinen Mindestkontostand auf keinem der Pläne. Die Sparzinsen sind variabel und ändern sich mit dem Marktzins – die hier genannten Werte sind Stand Sommer 2026, die aktuellen Zahlen findest du jederzeit auf relayfi.com/pricing.
Der Onboarding-Prozess für Nicht-US-Gründer im Detail
Hier wird es für DACH-Gründer konkret – und hier liegt auch der größte Stolperstein, den viele Vergleichsartikel unterschlagen.
Relay verlangt von dir als nicht-US-Staatsbürger:
- Formierungsdokumente deiner LLC (Certificate of Formation / Articles of Organization), je nach Bundesstaat.
- Deine EIN-Bestätigung vom IRS (das berühmte CP 575- oder 147C-Schreiben).
- Einen Reisepass als Ausweisdokument – US-Führerscheine gelten nur für US-Personen, für dich zählt ausschließlich der Pass, plus ein Foto-Ident-Verfahren mit Liveness-Check direkt im Anmeldeprozess.
- Eine physische Wohnadresse in den USA – und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Relay akzeptiert für die persönliche Adresse ausdrücklich keine Postfächer, keine virtuellen Mailboxen (auch nicht von etablierten Anbietern) und keine Mailbox-Services wie UPS Store. Eine Registered-Agent-Adresse darfst du nur für die Geschäftsadresse nutzen – vorausgesetzt, du legst zusätzlich eine echte private US-Wohnadresse vor. Ohne eine solche Adresse kommst du bei Relay nicht durch die Tür.
- Eine SSN oder eine ITIN. Das ist der Punkt, an dem die meisten deutschen Erstgründer scheitern. Relay macht hier – anders als Mercury – keine Ausnahme: Ohne Social Security Number oder Individual Taxpayer Identification Number wird kein Konto eröffnet. Eine ITIN bekommst du aber in aller Regel nur im Zusammenhang mit einer tatsächlichen US-Steuererklärungspflicht (zum Beispiel einer Form 1040-NR oder einem Antrag auf Abkommensvorteile) – das heißt, du brauchst praktisch schon eine laufende US-Geschäftstätigkeit mit Steuerbezug, bevor Relay überhaupt eine Option wird. Der Prozess bis zur ITIN dauert über einen Acceptance Agent oft mehrere Wochen bis Monate.
Läuft alles glatt, prüft Relay einen vollständigen Antrag meist innerhalb von 1–2 Werktagen. Der Unterschied zu Mercury liegt also nicht im Tempo, sondern in der Zugangsschwelle: Wer frisch eine Wyoming- oder Delaware-LLC gegründet hat, noch keine ITIN besitzt und keine echte US-Adresse vorweisen kann, wird bei Relay in aller Regel abgelehnt oder landet in der Warteschleife. Für die allermeisten unserer Leser heißt das in der Praxis: Relay ist eher ein Upgrade für Jahr zwei oder drei, nicht die erste Bank am Tag der Gründung.
Was Relay-Nutzer wirklich sagen (Reddit, Trustpilot & Co.)
Das Gesamtbild auf Trustpilot ist tatsächlich überwiegend positiv – die 4,3 von 5 Sternen kommen nicht aus dem Nichts. Immer wieder gelobt werden die einfache Einrichtung der Sub-Konten, die spürbar menschlichere Support-Erfahrung im Vergleich zu reinen Chatbot-Fintechs, und die Zuverlässigkeit im Alltagsgeschäft (Überweisungen, Kartenzahlungen, Rechnungsversand).
Der wiederkehrende Kritikpunkt betrifft aber genau die Partnerbank-Konstruktion: Auf Reddit und Trustpilot berichten mehrere Nutzer von plötzlichen Kontosperrungen, ausgelöst durch das Betrugs- und Compliance-Monitoring von Thread Bank – teils mit tagelanger bis wochenlanger Funkstille, während Guthaben eingefroren war. Ein Nutzer beschrieb, dass sein Konto als "non-compliant" markiert und die Schließung innerhalb von zehn Tagen angeordnet wurde, mit einer Begründung, die Relay als "vertraulich" bezeichnete. Andere berichteten von Request-for-Information-Anfragen (RFIs), bei denen trotz vollständiger und fristgerechter Dokumentenlieferung das Konto weiter gesperrt blieb, weil man "auf die Bank warte". Hintergrund dazu: Thread Bank selbst erhielt 2024 eine aufsichtsrechtliche Anordnung der FDIC, die schärfere Sorgfaltspflichten bei der Geldwäsche- und Betrugsprävention verlangte – diese Anordnung wurde erst im Dezember 2025 wieder aufgehoben. In der Zeit dazwischen dürfte ein Teil der strengeren, manchmal undurchsichtigen Kontoprüfungen erklärbar sein.
Relay hat darauf reagiert und 2026 ein eigenes "Account Protection Team" aufgebaut, das sich explizit um eingefrorene Konten kümmern soll. Community-Feedback deutet aber darauf hin, dass das Problem damit gelindert, nicht vollständig gelöst ist. Fazit aus den Nutzerstimmen: Im Alltag ist Relay solide bis richtig gut – aber wenn die Compliance-Maschinerie einmal anspringt, kann es unangenehm und intransparent werden. Das ist kein Relay-spezifisches Problem (Mercury und praktisch jede Banking-as-a-Service-Konstruktion mit Partnerbank hatten vergleichbare Phasen), aber es gehört zur ehrlichen Einordnung dazu.
Relay Pro (heute: der Grow-Plan) im Detail – für wen sich 30 USD/Monat lohnen
Der frühere "Relay Pro"-Plan heißt inzwischen "Grow" und kostet 30 USD im Monat. Konkret bekommst du dafür:
- Kostenlose ausgehende Inlands-Wires – auf Starter kostet jede einzelne 5 USD. Ab sechs Wires im Monat hat sich der Plan allein dadurch amortisiert.
- Same-Day ACH, statt der Standard-Laufzeit von 1–2 Werktagen – relevant, wenn du Lieferanten oder Contractor in den USA schnell bezahlen musst.
- Automatisiertes Bill Pay inklusive mehrstufiger Freigabe-Workflows – du oder dein Buchhalter definiert, wer welche Rechnung ab welchem Betrag freigeben muss.
- Echtzeit-nahe Synchronisation mit QuickBooks Online und Xero, inklusive Split-Line-Item-Kategorisierung für Rechnungen und Belege – der Starter-Plan bietet hier nur einen einfacheren, langsameren Datenabgleich.
- Höherer Sparzins (aktuell ca. 1,7–1,8 % APY gegenüber ca. 1,1 % auf Starter) und höheres Kreditkarten-Cashback (1,25 % statt 1,00 %).
- Genehmigungsregeln und individuelle Buchhaltungsautomatisierungen, die im Starter-Plan schlicht fehlen.
Für wen lohnt sich das wirklich? Nicht für die Solo-Gründerin, die zwei-, dreimal im Monat eine Rechnung stellt und ansonsten kaum Zahlungsverkehr hat – da bleibt Starter die richtige Wahl. Der Grow-Plan rechnet sich für Agenturen und Dienstleister mit mehreren Auftragnehmern oder Lieferanten, die regelmäßig Wires versenden, mit einem Steuerberater arbeiten, der auf saubere, automatisch synchronisierte Buchhaltungsdaten angewiesen ist, oder die intern eine Freigabe-Hierarchie brauchen (z. B. Co-Founder muss Ausgaben ab 500 USD freigeben). Als Faustregel: Sobald du mehr als fünf bis sechs Zahlungsvorgänge im Monat hast oder dein Buchhalter dir sagt, dass er wegen manueller CSV-Importe mehr Zeit (und damit Honorar) braucht, hat sich der Umstieg auf Grow meist schon bezahlt gemacht.
Ehrlich gesagt: Wo Relay auch Konten sperrt oder ablehnt
Kein Anbieter ist perfekt, und Relay macht da keine Ausnahme. Über die bereits beschriebene SSN/ITIN- und US-Adress-Hürde hinaus gibt es klar definierte Branchen, die Relay grundsätzlich ablehnt – vorgegeben durch die Partnerbank, nicht verhandelbar:
- Kryptowährungen, NFTs und alles, was mit digitalen Assets im weiteren Sinne zu tun hat
- Cannabis- und CBD-Geschäfte jeder Art, auch wenn sie in einzelnen US-Bundesstaaten legal sind
- Waffen- und Munitionshandel
- Adult-Entertainment
- Inkassounternehmen und Payday-Lending
- Verschreibungspflichtige Medikamente im Direktvertrieb
Zusätzlich lehnt Relay bestimmte Rechtsformen grundsätzlich ab – etwa Treuhandkonstruktionen (Trusts), Escrow-Konten, Series-LLCs und 401(k)-Strukturen. Wenn deine geplante US-LLC in einer dieser Kategorien liegt, spar dir den Antrag und schau direkt bei einem spezialisierten Anbieter.
Auch außerhalb dieser klaren Ausschlusslisten gilt: Relays Risikomodell reagiert empfindlich auf alles, was nach "hohem Risiko" aussieht – internationale Wire-Transfers in bestimmte Länder, hohe Transaktionsvolumina kurz nach Kontoeröffnung, oder Geschäftsmodelle, die schwer nachvollziehbar sind (z. B. Dropshipping mit vielen wechselnden Lieferanten). Mehrere Nutzerberichte beschreiben genau solche Konstellationen als Auslöser für Nachfragen oder temporäre Sperrungen. Die praktische Konsequenz: Halte deine Geschäftsbeschreibung bei der Anmeldung präzise und ehrlich, und sei darauf vorbereitet, bei Nachfragen schnell und vollständig zu antworten – das verkürzt laut Nutzerberichten die Prüfzeit spürbar.
Real Talk: Relay, Mercury oder beides – für welchen Gründer-Typ
Wenn du gerade erst deine US-LLC gegründet hast, noch keine ITIN besitzt und keine echte US-Wohnadresse vorweisen kannst – was auf die überwiegende Mehrheit unserer Leser zutrifft – dann ist Relay am Tag eins schlicht keine Option, so gut die Plattform auch sein mag. Fang mit Mercury an, weil dort SSN/ITIN nicht zwingend nötig sind, akzeptiere, dass auch Mercury zunehmend strenger prüft, und behalte Relay als Plan B oder späteres Upgrade im Hinterkopf.
Wenn dein Business wächst, du eine ITIN beantragt hast (etwa weil ohnehin eine US-Steuererklärung fällig ist) und du eine echte US-Adresse organisieren kannst – zum Beispiel weil ein Mitgründer, Anwalt oder Buchhalter in den USA sitzt –, dann lohnt sich ein zweiter Blick auf Relay, besonders wenn du nach Profit First arbeitest, mehrere Zahlungsempfänger regelmäßig bedienst oder deine Buchhaltung eng mit QuickBooks/Xero verzahnt sein soll. Der menschlichere Support ist dann kein nettes Extra, sondern ein handfester Vorteil gegenüber Mercury, sobald es mal klemmt.
Und ja: Manche etablierteren US-LLCs mit zwei, drei Jahren Historie führen tatsächlich beide Konten parallel – Mercury für schnelle API-Automatisierung und Rücklagen im Vault, Relay für das operative Tagesgeschäft mit Sub-Konten und Bill Pay. Das kostet dich nichts extra (Relay Starter ist kostenlos), bringt dir aber redundante Bankverbindungen, falls eine der beiden Banken mal für ein paar Tage Ärger macht. Für die meisten frischen DACH-Gründer bleibt die pragmatische Reihenfolge aber: erst Mercury, Relay später, wenn die Steuer- und Adresshürden gefallen sind.